Ab 31. Dezember 2020 fällt die bisherige EEG-Einspeisevergütung für erste PV-Anlagen weg. Besitzern dieser Anlagen stellt sich nun die Frage, wie sie Ihre Anlagen wirtschaftlich weiter betreiben können – oder überhaupt sollen. Lohnt es sich nochmals in die Anlagen zu investieren bzw. anfallende Reparaturen durchzuführen? Wie sinnvoll kann eine Überschusseinspeisung sein? Soll man den Eigenverbrauch erhöhen?

Im Rahmen seiner Bachelorarbeit ist unser Kundenberater Clemens Bathon diesen Fragen nachgegangen und hat deutliche Ergebnisse erhalten.

Welche Möglichkeiten zur Weiternutzung der Solaranlagen gibt es?

Das große Problem der betroffenen Solaranlagen ist die geringe Restlebensdauer, welche die Möglichkeiten stark einschränkt. Bei PV-Anlagen, die zwischen 2000 und 2004 gebaut wurden, geht man von einer Restlebensdauer von 5 bis 10 Jahren aus – nur wenige Massnahmen amortisieren sich in dieser Zeitspanne.

Daher ist es sinnvoll auf direkte und kostengünstige Maßnahmen zu setzen. Auch müssen etwaige Reparaturen oder das Risiko eines Totalschadens, v.a. bei den älteren Anlagen, einkalkuliert werden.

Von der Volleinspeisung zur Überschusseinspeisung wechseln

Für alle Besitzer dieser Solaranlagen lohnt es sich von der Volleinspeisung auf eine Überschusseinspeisung zu wechseln. Sprich, Strom wird nur dann in das Stromnetz eingespeist, wenn mehr erzeugt wurde als bspw. der angeschlossene Haushalt verbraucht. Je mehr Strom man selbst verbraucht, desto mehr profitiert man. Strom, den man wieder einkaufen muss, ist deutlich teurer als die Einspeisevergütung, die man erzielt. Mit jeder selbst verbrauchten Kilowattstunde spart man sich also die Differenz zwischen Einspeisevergütung und Strompreis je kWh. I.d.R. können PV-Anlagen so auch weiterhin wirtschaftlich betrieben werden.

Daraus ergibt sich nun aber direkt die Frage: Wie kann ich den produzierten Strom selbst am besten ausnutzen, sprich den Eigenverbrauch erhöhen? Je nach Zustand und Alter der Solaranlage ergeben sich unterschiedliche Szenarien.

Den Eigenverbrauch erhöhen

Einfachste Variante den Eigenverbrauch zu erhöhen, ist den Strom dann zu nutzen, wenn er auch vorhanden ist: tagsüber, zu den Spitzenzeiten.

Weitere Maßnahmen hängen stark von der erwarteten Restlebensdauer und der Anlagengröße ab.

Maßnahmen für Anlagen mit einer Restlebensdauer bis zu 5 Jahren

Für diese Anlagen lohnen sich so gut wie keine zusätzlichen Investitionen, da sie sich nicht innerhalb der erwarteten Restlebensdauer amortisieren. Hier könnte man sich höchstens die Anschaffung eines Elektroautos überlegen, sofern sowieso ein neues Auto angeschafft werden soll. Ab einer Anlagengröße von 2 kWp kann auch eine passende, PV-optimierte Ladestation sinnvoll sein.

Maßnahmen für Anlagen mit einer Restlebensdauer bis zu 10 Jahren

Je nach Anlagengröße können verschiedene Maßnahmen sinnvoll sein:

Bei einer Anlagengröße von 1 kWp können sich Investitionen auch über einen Zeitraum von 10 Jahren nicht refinanzieren. Der Eigenverbrauchsanteil ist mit ca. 66% bereits ohne weitere Maßnahmen sehr groß und die Menge an überschüssigem Strom zu gering.

Ab einer Anlagengröße von 2 kWp können auch hier durch ein Elektroauto und eine PV-optimierte Ladestation beachtliche Einsparungen erzielt werden.

Stromspeicher sind so gut wie nicht wirtschaftlich einsetzbar. Soll aus idealistischen Gründen trotzdem ein Stromspeicher genutzt werden, sollte die PV-Anlage eine Nennleistung von mindestens 3 kWp und der Haushalt einen möglichst großen jährlichen Strombedarf haben.

Ab einer Anlagengröße von 4 kWp kann das Heizen mit Eigenstrom in Betracht gezogen werden. Ein richtig dimensionierter Heizstab kann bspw. außerhalb der Heizperiode den gesamten Brauchwasserbedarf decken. Auch wenn sich der Heizstab nach etwa 10 Jahren amortisiert, fallen nachfolgende Gewinne eher gering aus.

Eine Brauchwasserwärmepumpe kann sich nur über den Betrieb mit PV-Strom nicht refinanzieren. Wird diese jedoch unabhängig von der PV-Anlage als Teil eines neuen Heizungssystems angeschafft, kann bei einer Anlagengröße von 5 kWp mit jährlichen Einsparungen gerechnet werden.

Hier noch einmal die Maßnahmen im Überblick:

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Fazit

Der weitere Betrieb von Solaranlagen aus den Jahren 2000 bis 2004 kann auch nach dem Wegfall der EEG-Einspeisevergütung wirtschaftlich sein. Wichtig ist die Umstellung von Volleinspeisung auf Überschusseinspeisung und dann die Steigerung des Eigenverbrauchs mit für die jeweilige Anlage optimalen Maßnahmen. Dabei muss der Zustand der Anlage (erwartete Restlebensdauer, etwaig anfallende Reparaturen und Investitionen) und deren Größe berücksichtigt werden.

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Clemens Bathon arbeitet bei der Eturnity AG als Kundenberater in Deutschland und Österreich.
Er liefert Einblicke zu Energiethemen aus Deutschland und Österreich.

Bei Fragen zum Beitrag wenden Sie sich an: clemens.bathon@eturnity.eu