Die Heizungen im deutschen Wärmemarkt sind zu einem großen Teil veraltet. Das zumindest besagt eine Studie des Bundesverbands der Energie (BDEW) von 2019. Und das Alter der Heizungen ist zum Teil beträchtlich, im Durchschnitt über 17 Jahre. Fast jede vierte Heizung ist sogar älter als 25 Jahre. Dementsprechend groß ist der Bedarf an Heizungs-Modernisierungen oder gar Erneuerungen.

Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) bestätigt die Zahlen ebenfalls. Welche aktuellen Entwicklungen sowie Perspektiven gibt es sonst im deutschen Heizungsmarkt und was wünschen sich Politik und die Mehrzahl der Kunden überhaupt?

Nicht der Stand der Technik

Mehr Effizienz, weniger CO2-Ausstoß und am besten kostengünstig soll sie sein – Die Traumheizung. Über sie macht man sich meist erst wieder Gedanken, wenn das bestehende Heizsystem bereits ersetzt werden muss.

Besser wäre, sich bereits davor mit dem Thema zu beschäftigen, denn Deutschlands Heizungen brauchen mehr Modernisierungen, heißt es seitens des BDEW. Etwa acht Millionen mit Öl beheizte Wohnungen bieten ein riesiges Potenzial im Wärmemarkt. Allein 2,7 Millionen dieser Gebäude ließen sich einfach an das Gas- oder Fernwärmenetz anschließen.

Ein hohes Maß an Informationsbedarf besteht und hier kommt die vollumfängliche Beratung zu allen Möglichkeiten ins Spiel, denn es kommt auf die Gegebenheiten vor Ort an.

Jede Heizung spielt eine Rolle

Die Politik hat es vorgegeben: Das Ziel des Klimaschutzprogramms ist es, den CO2-Ausstoß bis 2030 im Gebäudebestand um 40 Prozent, also von 119 Mio. auf 72 Mio. Tonnen CO2 zu reduzieren. Werden die Heizungssysteme insgesamt effizienter, bspw. durch den Austausch veralteter Heizungen, dann wird auch dadurch CO2 und Energie eingespart.

Laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie ist der Anlage-Bestand in Deutschland 21 Millionen Anlagen groß. Der Verband vertritt dabei 90 Prozent des heizungsindustriellen Umsatzes in Deutschland und die Position, dass die politisch vorgegebenen Ziele zur CO2-Reduktion im Gebäudesektor technisch machbar sind. Investitionen in Gebäudesanierung und effiziente Anlagentechnik auf Basis erneuerbarer Energien seien dabei die Grundlage für die Erreichung der Klimaziele. Demnach spielen alle Energieträger für den Wärmemarkt eine gleichermaßen wichtige Rolle.

Das Potential des deutschen Heizungsmarktes

Von den 21 Millionen Heizungen in Deutschland laufen etwa 13 Millionen auf Gas-Basis. Demzufolge ist das meist abgesetzte Produkt auch gasbasiert. Das betraf im Jahr 2019 genau 748.000 Wärmeerzeuger (BDH – Entwicklung Wärmemarkt Deutschland, 2019).

Zum Vergleich: Im Heizungs-Bestand befinden sich aktuell rund 1 Mio. Wärmepumpen sowie 900.000 Heizungen auf Basis von Holzpellets. Die Potentiale des Marktes hebt man demnach nicht nur durch die Erneuerbaren Systeme, sondern insbesondere eben auch durch den Austausch der ganzen alten Gas- und Ölheizungen.

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Gesamtbestand zentrale Wärmeerzeuger Deutschland 2019, Quelle: BDH

Hier kommt vor allem die Brennwerttechnik ins Spiel, eine Heiztechnologie auf Basis von Gas und Öl. Wird eine alte Gasheizung gegen eine Heizung mit Gas-Brennwerttechnik getauscht kann das laut BDH entscheidend dazu beitragen, den privaten Energieverbrauch zu senken. Wenn diese dann noch mit einer solarthermischen Anlage kombiniert würde, dann sogar noch mehr.

Sowohl Gas als auch Öl und Strom können in Zukunft auch grünere Anteile zur Dekarbonisierung im Wärmemarkt beisteuern und haben demnach sogar noch weiteres Potential. Explizit sprechen wir hierbei von Green Gas/Biomethan und E-Fuel (synthetischer Kraftstoff).

In anderen europäischen Ländern, wie Frankreich und Italien ist die Situation ähnlich wie in Deutschland. In diesen Ländern gibt es eine sehr starke Verbreitung von Gas und Öl (Quelle: EHI, 2017). Schweden wiederum ist stark von der Wärmepumpe geprägt. Über die Hälfte der Geräte ist dort mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Abhängig ist das allerdings immer von den jeweiligen Markt-Gegebenheiten, also der Energieträger-Verteilung.

Das bewegt Endkunden des Heizungsmarkts

Heiztechnologie ist ein komplexes Thema. Umso wichtiger ist den Endkunden eine unkomplizierte Lösung und Beratung. Die findet immer mehr auch online statt, sei es durch digitale Tools oder Plattformen der Heizungsindustrie. Dabei die Inhalte möglichst verständlich und einfach zu halten, darauf kommt es an.

Die Kriterien, die Endkunden schlussendlich aber dazu bewegen, sich für eine Heizungsart zu entscheiden, sind ganz individuell. Monetäre Gründe liegen hier meist vor dem persönlichen Beitrag zur Energiewende. Die Rolle der Kundenberater, Installateure und der Politik ist an dieser Stelle besonders wichtig. Ganz nach dem Leitbild „Informieren und bewegen“.

Ein ganz bestimmtes Kriterium für die optimale Heizungstechnologie gibt es aber nicht. Die Recherchen zeigen, insgesamt spielen immer die individuellen technischen Bedingungen eine Rolle sowie der Investitionspreis, Amortisationszeiten und die Förderkulisse.

Die Heizungsbranche ist innovationsgetrieben

Bereits vor der Situation durch Corona war im Heizungsmarkt der Trend zur Digitalisierung ganz klar gegeben. Bereits in den letzten Jahren hat sich die Digitalisierung zu einem der Top-Themen der Heizungsindustrie entwickelt (BDH, 2019)

Der Trend wird wohl auch zukünftig zunehmen und durch Corona sicherlich auf Seiten des Vertriebs weiter durch entsprechende Tools verstärkt, aber auch in der Heizungstechnologie eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Neue Heizungen sind mittlerweile internetfähig und per App bedienbar.

Aber auch für das Gebäude der Zukunft spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle, über ein digitales Management-System werden Verbraucher und Erzeuger intelligent verknüpft. Laut Aussagen des BDH wird hier ein grundsätzlicher Wechsel stattfinden. Weg von einer Stromerzeugung, die anhand des Verbrauchs optimiert wird und hin zu einer Steuerung des Verbrauchs, abhängig von der Verfügbarkeit von Energie aus erneuerbaren Quellen.

Die Technik, die es herfür braucht, sei da. Über 700 Mio. Euro Ausgaben gingen deshalb im vergangen Jahr wohl auch an Forschung und Entwicklung. Das dürfte unter anderem zeigen, was für eine große Rolle Digitalisierung spielt.

Um die im Wärmemarkt brachliegenden Potentiale zu heben, empfiehlt es sich als GebäudebesitzerInnen, immer einen expliziten Sanierungs- und Modernisierungsplan zu erstellen und so intensiver mit seiner Heizungstechnologie zu beschäftigen. Bereits im Voraus, damit wird zukünftig vermieden, dass der Heizungsmarkt in Deutschland veraltet.

Bilder: © BDH

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Bettina Enser

Bettina Enser ist die Verantwortliche für Marketing und Kommunikation bei der Eturnity AG. Sie liefert Einblicke in Themen rund um die Vermarktung von Erneuerbaren Energiesystemen. Bei Fragen zum Beitrag wenden Sie sich an bettina.enser@eturnity.ch