In der Schweiz wurde erst kürzlich das CO2-Gesetz abgelehnt. Die Branche in Deutschland erhofft sich währenddessen viel von den Bundestagswahlen, das hat uns bspw. Volker Quaschning bereits im Interview verraten. Denn die Sorge nach dem Erreichen der Klimaschutzziele ohne weitere Anpassungen ist groß.

Ein guter Zeitpunkt, um nach unserer Übersicht zum Wärmemarkt, nun auch die aktuellen Zahlen zur Solarenergie einmal herunterzubrechen. Was hat sich in den letzten beiden Jahren allein getan?

Solarenergie im Jahres-Vergleich

Betrachtet man den jährlichen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland, sieht man eine leichte Erhöhung von 2019 auf 2020 (Fraunhofer ISE):

2019: 48,24 %
2020: 50,7 %

Auch bezogen auf den alleinigen Anteil durch Solarenergie, steigen die Zahlen in Deutschland an:

2019: 9,0 %
2020: 10, 6%

Einen Anstieg gab es auch bezogen auf den Zubau unter den PV-Anlagen (IWR 2021, Daten: Marktstammdatenregister (MaStR)):

Photovoltaik-Zubau 2019:

Anzahl: 110.169
Leistung: 3.953,6 MW

Photovoltaik Zubau 2020:

Anzahl: 185.367
Leistung: 5.205,6 MW

Die deutschen Vorreiter in Sachen Solarenergie 2020

Laut Statista betrug die kumulierte elektrische Leistung aller netzgekoppelten Photovoltaikanlagen in Deutschland im Jahr 2020 rund 54 Gigawattpeak.
Dabei war Bayern mit Abstand das Bundesland mit der meisten installierten Leistung, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die geringste Nennleistung der Photovoltaikanlagen hatten die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin.

Und die Solarenergie heute?

Das Jahr ist erst zur Hälfte um, aber bereits jetzt ist es möglich erste Daten zur Solarenergie einzusehen (Fraunhofer ISE / Energy Charts).
So beträgt der jährliche Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland zum Stand 07.07.2021 aktuell 47,8 %, der alleinige Anteil an Solarenergie liegt bei 11,4 %.

Wir haben den Experten Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, nach seinen Prognosen zu Zubau und Energieertrag befragt: “Der PV-Markt in Deutschland wächst weiter. Letztes Jahr wurden 5 GW an Zubau in Deutschland erreicht, 2021 könnten es 6 bis 7 GW werden.”

Die Einschätzung Quaschnings aber ist deutlich, es reiche nicht: “Zum Einhalten des Pariser Klimaschutzabkommens wären mind. 20 GW pro Jahr nötig.”

Wird sich politisch etwas tun?

In der Schweiz wurde kürzlich das CO2-Gesetz abgelehnt, in Deutschland hofft die Branche auf neue Vorbilder aus Deutschland nach der Bundestagswahl. Auch hierzu haben wir Volker Quaschning nach seiner Einschätzung gefragt:

“Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat die Klimaschutzpolitik als verfassungswidrig beurteilt. Daraufhin wurde das Klimaschutzgesetz überarbeitet. Nun müssen bis 2030 über 40 % Einsparungen an Treibhausgasen im Vergleich zu 2020 erreicht werden.

Derzeit liegen von keiner Partei Maßnahmen auf dem Tisch, mit denen das erreicht werden kann. Insofern werden die Koalitionsverhandlungen nach der Wahl spannend. Sollte die neue Regierung nicht in der Lage sein, dann entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten, werden am Ende sicher wieder Gerichte über die Klimaschutzpolitik in Deutschland entscheiden.”

Fazit:

Der Zubau nimmt zu, aber noch immer zu langsam. Laut Quaschning müsse sich an 20 GW pro Jahr orientiert werden, um das Klimaschutzabkommen einhalten zu können. Mit perspektivisch 7 GW in Deutschland im Jahr 2021, liegen wir weit entfernt.

Letztendlich hängen die Zubauraten von vielen Faktoren an. Automatisierungsprozesse können so z. B. Unternehmen unterstützen, vor allem muss aber die Politik zukünftig mit geeigneten Rahmenbedingungen noch besser unterstützen.

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Bettina Enser

Bettina Enser ist die Verantwortliche für Marketing und Kommunikation bei der Eturnity AG. Sie liefert Einblicke in Themen rund um die Vermarktung von Erneuerbaren Energiesystemen. Bei Fragen zum Beitrag wenden Sie sich an bettina.enser@eturnity.ch