Seit Juli ist die Eturnity AG um einen Aufsichtsrat mit starker Fachexpertise gewachsen. Wir haben Walter Steinmann, Arnold Marty und Kurt Lüscher kurzerhand zu Stand und Zukunft der Erneuerbaren Energiebranche befragt.

Unsere 3 Fragen zu Stand und Zukunft der Erneuerbaren Energiebranche

Frage 1: Was würden Sie sagen, waren die großen Fortschritte der vergangenen zehn Jahre und wie zufrieden sind Sie persönlich damit, wo wir heute stehen?

Walter Steinmann:

Die Reduktion der Kosten für die erneuerbaren Energien sehe ich als einen der größten Fortschritte, insbesondere im Photovoltaik- und Windbereich. Sie sind heute gegenüber traditionellen Technologien in aufstrebenden Märkten klar konkurrenzfähig.

Vor 10 bis 20 Jahren haben wir noch darüber diskutiert, welcher Höchst-Anteil Erneuerbare Energien überhaupt am gesamten Strom-Mix, und mit Blick auf die Netzstabilität, möglich sein könnte. Das ist inzwischen vorbei, wir haben heute Situationen, in denen Erneuerbare Energien den gesamten Strombedarf decken können

 

Kurt Lüscher

Der erste Fortschritt ist der Trend zur Dienstleistung. Inzwischen gibt es Beispiele, wie die BKW in der Schweiz. Sie setzen den Trend vom reinen Energiehandel hin in Richtung Dienstleistungen und das ist ein wichtiger Schritt und der richtige Fokus

Ein zweiter Fortschritt ist, dass immer mehr Energieversorger, im regionalen, kommunalen und institutionellen Bereich, viel in Erneuerbare Energien investiert haben. Bisher zwar eher außerhalb der Schweiz, aber das ist dennoch eine spannende Entwicklung. In der Schweiz ist vor allem der massive Zubau von Photovoltaik eine schöne Sache.

Aber auch bezüglich Wärmeproduktion und -verteilung, basierend auf erneuerbarer Wärme, haben sich die Energieversorger stark engagiert. Der Auf- und Ausbau von Wärmenetzen (Fernwärme) hat sich zu einem starken Wachstumsgebiet entwickelt und bietet viel Potential.

Inzwischen ist auch erneuerbares Gas schon weit verbreitet ist. Erdgas macht 25 % des Schweizer Energieverbrauchs aus, es ist also wichtig, dass sich dort etwas tut.

Ein dritter Fortschritt ist, dass viele Energieunternehmen kundenorientierter geworden sind und begonnen haben ihre Kunden zu segmentieren.

So gibt es erste digitale Plattformen, wie diejenige von Eturnity, welche den Verkaufsprozess digitalisiert, professionalisiert und zum Kundenerlebnis macht. Da ist also einiges vorangegangen.

 

Arnold Marty

Im Heizungsmarkt ist die Beschleunigung des Zuwachses an nicht-fossilen Heizungsanlagen ein großer Fortschritt. Hier beziehe ich mich vor allem auf die energieeffizienten Wärmepumpen. Ein schnellerer Wandel wäre dennoch wünschenswert.

Außerdem hat die Digitalisierung langsam den Einzug in den Heizungsmarkt geschafft, was mit dem angehenden Wechsel, hin zu alternativen Energieträgern zu tun hat.

Neben digitalen Prozessen und Anwendungen, ist auch die Produkteentwicklung egemint. Durch die Möglichkeit Produkte „remoteˮ ansteuern zu können, sind die Geräte heute in der Lage nicht nur Daten zu empfangen, sondern auch zu senden. Dadurch ist eine Effizienzverbesserung auf allen Ebenen möglich.

 

Frage 2: Was muss sich aus Ihrer Sicht tun?

Walter Steinmann

Wir sind auf dem Weg einer umfassenden Transition unseres Energiesystems. Jetzt müssen wir noch die richtigen Instrumente finden, um die Ziele möglichst rasch zu erreichen.

Der Standort Schweiz versteht sich nicht als Standort für Massenproduktion, sondern muss mit Intelligenz, Forschung und guten Rahmenbedingungen für Startups, KMUs und internationale Gesellschaften im Wettbewerb punkten.

Es ist aber überall wichtig, dass neben günstigen Rahmenbedingungen auch spezielle Forschungs- und Innovationsprogramme für Energie und Klima vorhanden sind. So wird Neues ermöglicht, Startups erhalten Chancen und unsere Stärken auf dem Gebiet können weiter ausgebaut werden.

 

Kurt Lüscher

Handlungsbedarf in der Schweiz sehe ich in drei Bereichen:

Stromabkommen: Es gibt nach wie vor kein Stromabkommen mit dem benachbarten Ausland bzw. mit der EU.

Versorgungssicherheit erhöhen: Wir sind im Winter stark auf ausländischen Strom angewiesen, der vom CO2-Footprint nicht optimal ist. Dezentrale Produktion / Speicherung (WKK / P2G) würde hier helfen.

Mobilität: Hier steht die Schweiz nicht gut da, vor allem im Vergleich mit den nordischen Ländern. Dabei macht Mobilität einen sehr großen Teil des Energieverbrauchs aus.

Vieles ergibt sich, je offener wir sind und je mehr Marktteilnehmer mitwirken können. Das ist das Wirtschaftsverständnis, das man in den Städten aufbringen sollte. Es stellt sich also auch die Frage, was man nicht tun soll, damit der Erfolg entstehen kann.

Ein Beispiel dazu ist die Technologie-Neutralität. Es scheint mir falsch, wenn man Technologien verbietet. Viel wichtiger ist es Ziele zu setzen. Den Weg dahin sollte man den Beteiligten möglichst frei lassen, so werden sich die besten Lösungen durchsetzen.

 

Arnold Marty

Die Politik sollte viel größere Anreize schaffen und die Förderbeitragskomplexität massiv verringern, um zu beschleunigen, dass fossile Technologien aus dem Neubau verschwinden.

Firmen wie Eturnity können stark dazu beitragen durchgängige, elektronische Prozesse von der Angebotserstellung, über die Beratung, bis zur Installation und Wartung der Anlage zur Verfügung zu stellen.

Und das wird viele komplizierte, langwierige und manuelle Arbeitsschritte beim Installateur überflüssig machen! Innovative Firmen derart zu unterstützen, das ist ein wichtiger Schritt.

 

Frage 3: Wie können wir uns die kommenden zehn Jahre vorstellen?

Walter Steinmann:

Das Energiesystem wird wie alle anderen Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft immer mehr von intelligenten Digitalisierungs-Lösungen durchdrungen. Hier geht es jetzt darum, dass die nächste Generation im Energie-Sektor digitale Kompetenzen aufweisen muss und zu Kooperationen bereit ist.

Das große Trend-Thema ist nach den Initiativen der EU und Deutschland gesetzt: Wasserstoff. Wir brauchen Wasserstoff für die Speicherung. Wir sehen, dass Wasserstoff einfacher transportiert werden kann und wir erarbeiten Lösungen, um Wasserstoff in der Mobilität intelligent einzusetzen.

 

Kurt Lüscher

Grundsätzlich ist Digitalisierung ein Thema mit drei Bereichen:

  1. Prozessoptimierung: Es ist vorgesehen, dass in allen Liegenschaften Smart Meter eingebaut werden und so wird niemand mehr persönlich vor Ort Zählerstände ablesen und Kunden müssen ihren Verbrauch auch nicht mehr einreichen. Das ist dann eine Prozessoptimierung, mit der man primär Kosten sparen kann.
  2. Datenmanagement: Die Bedeutung der Daten wird steigen. Man wird dann von den Kunden wissen, wann sie besonders viel Strom und auch für was brauchen. Man kann daraus Rückschlüsse ziehen und mit diesen Daten bspw. innovative Tarifmodelle entwickeln. Zusätzlich kann man die Stromnetze optimieren. Da gibt es für mich übrigens einen Vergleich zur Telekommunikation, dort werden schon seit Jahrzehnten Produkte auf der Basis von Datenanalyse entwickelt. So ähnlich stelle ich mir das auch mit dem Strom vor, natürlich immer unter Berücksichtigung des Datenschutzes.
  3. Innovationen: Dank der Digitalisierung werden völlig neue Produkte entstehen. Hier kommt wieder Eturnity ins Spiel. Denn dank digitaler Plattformen werden kundenorientierte Prozesse unterstützt, neu definiert, optimiert etc. Ich bin mir sicher, dass hier ein riesiges Potential liegt und Digitalisierung das Thema ist, welches die Energieversorgung der Zukunft am meisten beeinflussen wird.

Arnold Marty

Grundsätzlich glaube ich, dass alles was digitalisiert werden kann, auch digitalisiert wird. Die Haustechnik stellt da keine Ausnahme dar.

Damit zieht die Informationstechnologie (IT) auch in die Haustechnik ein, was heute auch zum Teil schon der Fall ist. Nur wird sich dieser Trend noch massiv verstärken und ganz neue Möglichkeiten eröffnen. So werden Sensoren, Aktoren und weitere Geräte der Haustechnik, welche bis anhin noch mehrheitlich eine einzige Funktion erfüllen, miteinander kommunizieren und somit Aktionen „eigenständigˮ ausführen können.

Das IoT (Internet of Things) wird auch vor der Haustechnik nicht Halt machen. Das Thema der verschiedensten Schnittstellen wird sich über die Zeit lösen und ich gehe davon aus, dass man sich auf „Standardsˮ, die über die verschiedenen Gewerke reichen, einigen kann. Dies würde die Effizienz bei allen enorm erhöhen und den Know-How-Aufbau beschleunigen.

Die fossilen Technologien werden aus dem Neubau verschwunden sein. Bei den installierten Anlagen wird jedoch auch dann noch großer Nachholbedarf sein, weil die Sanierung der bestehenden Anlagen nur sehr langsam passiert.

Vielen Dank für die Gespräche!

Der Eturnity Aufsichtsrat

Walter Steinmann, Arnold Marty und Kurt Lüscher unterstützen und beraten seit Juli die Eturnity AG. Damit begrüßen wir einen Aufsichtsrat mit starker Fachexpertise im Team.

Der Eturnity Aufsichtsrat: Walter Steinmann, Arnold Marty, Kurt Lüscher

Mehr zu unserem neuen Aufsichtsrat finden Sie unter Aktuelles.

Bild Teaser: © Unsplash

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Bettina Enser

Bettina Enser ist die Verantwortliche für Marketing und Kommunikation bei der Eturnity AG. Sie liefert Einblicke in Themen rund um die Vermarktung von Erneuerbaren Energiesystemen. Bei Fragen zum Beitrag wenden Sie sich an bettina.enser@eturnity.ch